Vergrault E-Plus Unternehmenskunden?

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Ende Juli wird der neue E-Plus-Chef Michael Krammer seine neue Unternehmensstrategie verkünden. Schon jetzt konnte man in der FTD und der Wirtschaftswoche Hinweise darauf erhalten, in welche Richtung die Reise gehen soll: Einfach und billig soll das Angebot anscheinend sein – sonst (fast) nichts. Krammer setzt nach Angaben der FTD auf eine so genannte „Followers-Strategie“, bei der nur solche Dienste angeboten werden, die sich bei Konkurrenten bereits als erfolgreich und margenträchtig herausgestellt haben. Er will Schluss machen mit der „Innovationsparanoia der Mobilfunkbranche, jedes Jahr etwas Neues bieten zu müssen.“

Nicht nur Multimediadienste für Privatnutzer sollen eingedampft werden, sondern auch Dienste für Firmenkunden. Ihnen sollen künftig keine Sonderwünsche mehr erfüllt werden, komplexe mobile Anwendungen für Unternehmen sollen keine Rolle mehr spielen, aufwändige Integration in IT-Umgebungen soll nicht mehr geleistet werden. Denn – so zitiert die FTD Krammer – „E-Plus sei kein Systemhaus.“ Will E-Plus mit solchen Aussagen seine Firmenkunden vergraulen? Kommt E-Plus damit für Unternehmen als Mobilfunk-Provider künftig nicht mehr infrage?

Nein – denn einfache und günstige Angebote sind auch für viele Unternehmen attraktiv und Mobilfunkprovider sind tatsächlich keine Systemhäuser.

Voraussetzung für den Erfolg bei Unternehmen ist allerdings, dass E-Plus sich mit seinen einfachen und billigen Angeboten nicht auf Sprachdienste beschränkt, sondern auch für die Datenübertragung günstige Angebote macht. Bisher sind die Preise der Mobilfunkanbieter für die mobile Datenübertragung auch für Unternehmen häufig noch zu hoch. Am 1. Juni hat E-Plus bereits neue, günstigere Datenpakete für Businesskunden eingeführt. Das spricht dafür, dass E-Plus seine Firmenkunden nicht vergraulen will, sondern vielmehr erkannt hat, dass die mobile Datennutzung in vielen Unternehmen auch durch die hohen und oft intransparenten Kosten begrenzt bleibt.

Auch die Aussage, dass E-Plus komplexe mobile Anwendungen und ihre Integration in IT-Umgebungen nicht leisten will, ist keine Absage an Unternehmenskunden, sondern schlicht und ergreifend ehrlich. Es zählt einfach nicht zu den Hauptkompetenzen von Mobilfunkprovidern, spezialisierte mobile Unternehmensanwendungen zu entwickeln und zu integrieren (das gilt übrigens auch für Multimediadienste für Konsumenten), warum sollten sie also so tun als ob? Potenzial sieht Krammer laut Wirtschaftswoche allerdings bei Mobile-Mail-Anwendungen, die er neben Telefonie und SMS zu den attraktiven, massenmarkttauglichen Angeboten zählt. Ein gutes, einfaches und günstiges Mobile-Mail-Angebot für kleinere und mittlere Unternehmen ist durchaus Erfolg versprechend. Unternehmen, die mehr benötigen, müssen dann eben auf kompetentere Partner zurückgreifen – das Gleiche gilt aber auch für die anderen drei Mobilfunkanbieter in Deutschland.

Krammer holt aber mit seinen Aussagen das alte Schreckgespenst der Mobile Operator aus dem Keller, das die Netzbetreiber zu reinen Infrastrukturanbietern oder „Pipeline-Providern“ degradiert, die sich im harten Preiskampf mit spärlichen Margen begnügen müssen.

Margen können ja bekanntlich von zwei Seiten unter Druck kommen, von der Preis- und von der Kostenseite. Ziel von E-Plus ist es offenbar, die Kostenseite durch den Verzicht auf ein eigenes, umfangreiches Angebot teurer und risikoreicher Datendienste niedrig zu halten. Trotzdem kann E-Plus die Infrastruktur für Datendienste anbieten. Schafft es E-Plus, dies durch Kosteneinsparung zu günstigeren Konditionen als die Wettbewerber zu tun, ist das auch für viele Unternehmenskunden sehr attraktiv. Der aktuelle Aufwärtstrend bei der Neukundengewinnung von E-Plus könnte dann nicht nur bei privaten Schnäppchenjägern, sondern auch im Geschäftskundensegment fortgesetzt werden.

06/2006, Nicole Dufft



Seit Oktober 2000 gehört Nicole Dufft Analysten-Team der Berlecon Research GmbH, ihre Schwerpunktthemen sind Mobile & Telecommunications und Digital Consumer.


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