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IP-Telefonie überholt klassische Telefonie: Kommunikationswelt ändert sich für Unternehmen, Behörden und Privatnutzer

Konvergenz bleibt einer der Schlüsselbegriffe auf dem Telekommunikationssektor. Das geht aus der aktuellen Studie „TMT Trends 2007“ des Beratungshauses Deloitte hervor, wonach in Technologie, Medien und Telekommunikation auch Benutzerfreundlichkeit ein Trend des laufenden Jahres sein wird. „Aber vor allem schreitet die Verschmelzung der drei klassischen Sektoren in großen Schritten voran - Konvergenz ist und bleibt weiterhin das Motto der TMT-Branche“, sagt Deloitte-Berater Andreas Gentner.
Kaum eine Branche entwickelt sich derzeit schneller als die Telekommunikation. Beschleunigt wird die Entwicklung unter anderem durch die Verbreitung der Telefonie über das Internet Protokoll (IP). „VoIP wird zur treibenden Kraft im Wachstumsmarkt Breitband“, meldete Arthur D. Little in seinem weltweiten Breitband-Report. „Selten zuvor hat eine neue Technologie die Telekommunikations-Branche so verändert, wie es die Internet-Telefonie getan hat“, berichtete der Stern. Mit der Umstellung auf moderne IP-Telefonie beschäftigt sich auch die öffentliche Hand. Über die Hälfte der rund 2.000 Telefonendgeräte sind bei der Stadt Hamm in Westfalen mittlerweile moderne IP-Telefone. Das konvergente System brachte schon im ersten Nutungsjahr erhebliche Einsparungen, berichtet Klaus Dieter Poppe, zuständiger Abteilungsleiter Informationstechnik und Kommunikationsservice der Stadt.
Die Universität Stuttgart hat im vergangenen Jahr eine IP-basierte Alcatel-Telefonanlage in Betrieb genommen. Das bis dahin separate Telefonnetz ist entfallen. „Die besondere Herausforderung bei der Realisierung des Projekts lag in der Heterogenität: Knapp 150 Institute in 130 Gebäuden an den verschiedenen Uni-Standorten galt es auszurüsten, unterschiedliche Anforderungen der Nutzer zu berücksichtigen", berichtet Projektleiter Walter Wehinger vom Rechenzentrum der Universität, die damit über die größte IP-Telefonanlage an einer deutschen Hochschule verfügt. Insgesamt seien etwa 10.000 Telefone angeschlossen, davon über 6 000 IP-Telefone. Durch die Zusammenlegung von Sprach- und Datennetz ließen sich alle Kommunikationswege wie Telefon, Voicemail, E-Mail und Fax in einer einheitlichen und benutzerfreundlichen Form zusammenführen, so Wehinger. Außerdem werde sich die Investition von 3,3 Millionen Euro in jedem Fall auszahlen, weil Wartungs- und Betriebskosten gesenkt würden. Axel Schnell, Service Director des Stuttgarter ITK-Systemintegrators NextiraOne, unterstreicht die Bedeutung der Internet-Telefonie: „Die Verschmelzung von Daten und Sprache über das Internet Protokoll wird die Kommunikationswelt von Unternehmen, öffentlichen Institutionen und Privatkunden grundlegend verändern.“ Die Konvergenz von Sprache und Daten ermögliche die Verwendung eines einzigen Netzwerks für alle nur denkbaren Medienformate.
Das Stuttgarter Unternehmen, das die Modernisierung der Telefonanlage für die Universität durchführte, rechnet damit, dass schon kurzfristig der Punkt erreicht sein wird, wo die IP-Telefonie die klassische Telefonie überholen könnte. Zwar gebe es bereits verschiedene Endgeräte des digitalen Zeitalters, virtuelle Assistenten, die Anrufe weiterleiten, SMS oder Instant Messages, PC und PDA. Die IP-Kommunikation jedoch sei der Garant für Zusammenführung der verschiedenen Kommunikationsformen, so Schnell. Viele Unternehmen stehen angesichts der IP-Ausbreitung vor einem Umbruch. Schlüsselfaktoren für den Übergang zur IP-Telefonie sind die Betriebskostenreduktion und die Wahrnehmung von IP-Telefonie als zeitgemäße Alternative aufgrund erweiterter Funktionen wie Videokonferenzen, so die Erkenntnis von Nathan Brumby, Geschäftsführer IP-Telefonie bei Integrated Research.
Für die Stuttgarter Hochschule sieht Axel Schnell eine Erleichterung der Arbeitsabläufe: „Das Medium für die Sprache ist das IP-Netz der Universität. Die Endgeräte werden einfach an eine normale IP-Dose angeschlossen und die Sprache wird dann verschickt." Damit technisch auch alles einwandfrei laufe, werden die Sprachpakete gegenüber Datenpaketen bevorzugt behandelt. Denn bei einem Datenpaket, beispielsweise einer E-Mail, sei es nicht weiter tragisch, wenn sich eine minimale Zeitverzögerung ergibt. Die Sprachpakete müssen allerdings sofort versendet werden, um ein Nachhallen oder Stocken des Gespräches zu vermeiden. Mit der neuen Anlage werde gewährleistet, dass alle Kommunikationswege auf einem Apparat enden. „Dann ist es möglich, dass Faxe, Anrufbeantworter, SMS und E-Mail in einer einheitlichen und benutzerfreundlichen Form dargestellt werden können. Über das IP-Telefon sind die Unimitarbeiter jederzeit über wichtige Nachrichten auf dem Laufenden", erläutert Projektleiter Wehinger. Er hätte nie gedacht, dass ein Projekt von solcher Größenordnung so vergleichsweise reibungslos durchgeführt werden könnte, resümiert er die Zusammenarbeit mit Nextiraone.
02/2007, Claudia Klemp

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