Das Ohr am Netz: Kommunikation via SIP im Internet

Autor: Klaus Jotz
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Internet-Provider bieten als zusätzlichen Service zunehmend auch Telefonie an. Mit einem SIP-Telefon lassen sich dabei nicht nur Internet-Nutzer, sondern auch ganz herkömmliche Telefonanschlüsse erreichen und das in bestechend guter Tonqualität. Der Artikel gibt einen Überblick über das aktuelle Revival der Internet-Telefonie und zeigt auf, wie ein SIP-Telefon angeschlossen werden kann.

Spricht man von Internet-Telefonie, denken viele an eine Software, über die man die Verbindung zum Gesprächspartner aufbaut und auch das Gespräch selbst führt. Viele Anwender wollen aber für ihre Telefongespräche nicht auf den gewohnten Apparat zum Anfassen verzichten. Deshalb bieten mittlerweile eine ganze Reihe Hersteller so genannte Hard-Phones für die Internet-Telefonie.

Aufgrund der leistungsfähigeren Netze hat sich die IP-Telefonie bisher vor allem in den Unternehmen etabliert. Für Privatanwender ist der Markt gerade in der Entstehungsphase und verspricht für die Zukunft enorme Zuwachsraten. So haben beispielsweise Telekom-Betreiber und Universitäten in Österreich zusammen mit der Telekom Austria im Gemeinschaftsprojekt „at43“ bereits mehr als 130.000 Teilnehmer, die im Internet und gegen Bezahlung ins Festnetz telefonieren. Darüber hinaus werden VoIP-Lösungen für Geschäftskunden angeboten.

In Deutschland stehen die Chancen für eine weitere Verbreitung mindestens ebenso gut, vor allem auch im SOHO-Bereich (kleinere Unternehmensnetze und Heimanwender). Die größeren Anbieter (Freenet IPhone, Sipgate, Nikotel, Telefonica, 1und1) sprachen Mitte 2004 von etwa 250.000 Teilnehmern – mit steigender Tendenz. Und der US-Amerikanische Provider VONAGE, der auch in Europa IP-Telefonie anbieten will, startete Anfang 2004 mit 100.000 Teilnehmern, die bis zur Jahreswende auf 250.000 anwachsen sollen. Grundlage für diese Zahlen ist unter anderem die rasante Zunahme der DSL-Anschlüsse in den letzten Jahren, mit denen zumindest eine der notwendigen technischen Grundlagen geschaffen wurden. Denn: Der Betrieb eines IP-Telefon-Anschlusses mit einem Hard-Phone im kleinen Büro oder Privathaushalt verlangt einige organisatorische und technische Voraussetzungen, wie die Anmeldung bei einem entsprechenden IP-Telefonie-Anbieter, den Anschluss und das Telefon selbst. Firmen wie Sipgate oder Nikotel bieten Hierzulande bereits wählbare Festnetznummern mit Weiterleitung zum SIP-Telefon an.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die richtige technische Infrastruktur vor Ort. Die Basis für die IP-Telefonie bildet ein genügend breitbandiger Internetzugang mit mindestens 128 kBit/s Datendurchsatz in beide Richtungen, wie ihn DSL in der Regel darstellt. Zwar arbeitet das bei der Sprachübertragung über das IP-Protokoll verwendete Datenprotokoll G.711 bidirektional mit einer Nettobandbreite von lediglich 64 kBit/s (vergleichbar mit ISDN), aber der Overhead für den Paket-Header verschlingt noch einmal 16 kBit/s und ein wenig Reserve trägt generell der Verbesserung der Übertragungsqualität bei.

Für den Anschluss des eigentlichen Telefons sind unterschiedliche Varianten möglich. Ein IP-Telefon wandelt die analoge Sprachinformation in digitale Signale und schnürt diese zu Paketen zusammen, die mit den entsprechenden Adress-, Absender- und Protokollinformationen (einem Teil des so genannten Overheads) in das Internet geschickt und dort weitergeleitet werden. Diese Vorgehensweise unterscheidet sich grundlegend von der bisher üblichen Gesprächsvermittlung, die für die Dauer einer Verbindung immer genau einen Kanal (früher eine Leitung, deshalb auch leitungsvermittelndes System genannt) offen hielt, egal ob gesprochen wurde oder nicht. In der IP-Telefonie kommen nur dann Daten zur Übertragung, wenn sie tatsächlich vorliegen, also nur sobald gesprochen wird. Sprechpausen erzeugen keine Pakete.

Damit diese Pakete beim Weg durch das Internet den richtigen Adressaten erreichen, benötigen sie eine entsprechende Adressinformation, die so genannte IP-Adresse (paketvermittelnde Systeme). Der Knackpunkt liegt nun in der Verbindung einer IP-Adresse mit der entsprechenden Telefonnummer für einen Teilnehmeranschluss und das regelt der Betreiber eines IP-Telefondienstes.

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 1: Infrastruktur

10/2005, Klaus Jotz



Klaus Jotz, Dipl.-Ing. (FH,) ist Journalist und Dozent im Bereich Wissenschaft und Technik.
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